Begegnung in Matthäus
Denn wo zwei oder drei in meinem Namen zusammenkommen,
da bin ich selbst in Ihrer Mitte.
Matthäus 18, Vers 20
Kunst in der Kirche - mitten unter euch
Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 28. Oktober 2010 um 19:57 Uhr
In dreizehn evangelischen Kirchen Freiburgs wurden vom 10. – 24. Oktober 2010 sechzehn zeitgenössische künstlerische Positionen ausgestellt, die im Rahmen eines Wettbewerbs im Juli aus zahlreichen Einreichungen ausgewählt wurden. Die Arbeiten nehmen mit Skulptur, Malerei, Fotografie, Installation und digitaler Projektion das Thema „mitten unter euch“ auf, eine Formulierung nach dem Lukasevangelium, die sich auf die Präsenz des Transzendenten bezieht.
In Matthäus stellt die Künsterlin Petra Böttcher Lochkamera-Fotografien aus. Der Gottesdienst am 24.10.2010 beschäftigte sich mit den Fotografien:
Predigt von Pfr. Ewald Förschler am 21. Sonntag nach dem Trinitatisfest / Kunst in der Kirche
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. AMEN
Zuletzt: Seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke. Zieht an die Waffenrüstung Gottes, damit ihr bestehen könnt gegen die listigen Anschläge des Teufels. Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in dieser Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel.
Deshalb ergreift die Waffenrüstung Gottes, damit ihr an dem bösen Tag Widerstand leisten und alles überwinden und das Feld behalten könnt.
So steht nun fest, umgürtet an euren Lenden mit Wahrheit und angetan mit dem Panzer der Gerechtigkeit, und an den Beinen gestiefelt, bereit, einzutreten für das Evangelium des Friedens.
Vor allen Dingen aber ergreift den Schild des Glaubens, mit dem ihr auslöschen könnt alle feurigen Pfeile des Bösen, und nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes.
Epheser 6,10-17
Unser Herr Jesus Christus! Lass uns dir folgen und so hineinwachsen in dein Geheimnis, der du das Böse mit Gutem überwunden hast.
AMEN
Liebe Gemeinde,
diese Woche habe ich eine Frau auf die beiden hier ausgestellten Bilder der Künstlerin Petra Böttcher angesprochen und sie nach ihrem Eindruck gefragt. Sie sagte:“ So viele Gedanken habe ich mir noch nicht gemacht. Aber da öffnet sich was, wenn man hinschaut.“
Da öffnet sich was, wenn man hinschaut. Was öffnet sich? Bei jedem Menschen öffnet sich etwas anderes. Bei älteren Menschen öffnet sich eine Phase ihrer Vergangenheit. Da steigen Erinnerungen auf an Krieg und Zerstörung, denn die Symbole in den Bildern assoziieren ältere Menschen mit Bomben, die vom Himmel flogen. Da gibt es auch Erinnerungen an die Zerstörung Freiburgs 1944. Jüngere Menschen reagieren anders auf die Bilder. Sie wissen um den Irakkrieg und um Afghanistan.
Nun sind diese beiden Bilder schon in verschiedenen Räumen und zu verschiedenen Anlässen gehangen und betrachtet worden. Seit zwei Wochen hängen sie in unserer Kirche, also in einem spirituellen Raum und wurden hier von verschiedensten Menschen betrachtet. Heute kommt hinzu, dass die beiden Bilder auch Thema in einem Gottesdienst sind. Nicht dass die Bilder damit überlagert oder fremdbestimmt wären – doch der Rahmen gibt auch Inhalt und damit ist ein spannendes, vielleicht sogar spannungsreiches Thema gegeben. So ganz Predigt kann das, was ich heute hier sage, nicht sein. Denn ich rede eher als einzelner Betrachter dieser Bilder und doch auch als Pfarrer.
Mein Text für meine Worte sind heute die beiden Bilder und doch kann ich und will ich nicht völlig von dem absehen, was heute auch mein Text ist, die Heilige Schrift.
Es mag bei Bildern wie bei Texten sein, dass es dahinter noch etwas gibt, eine Botschaft hinter der Botschaft, ein Text hinter oder zwischen dem Text. Beidem will ich heute nachgehen in den jetzt folgenden fragmentarischen Ausführungen. Und ich will dazu sagen, dass meine Betrachtung heute lediglich eine von den vielen ist, die in diesen Tagen und heute angestellt wurden. Ich will mit meinen Worten von hier aus einen theologischen und spirituellen Anstoß geben.
So habe auch ich diese beiden Bilder betrachtet als einer, der 10 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs geboren wurde. Ich fühlte mich unmittelbar an das Lied von Reinhard Mey erinnert: Über den Wolken…und an den Flug zu einem sehr schönen Urlaub in diesem Jahr mit meiner Frau. Bis ich dann tiefer schaute und sich meine Stirn einfaltete, was so viel heißt wie: Jetzt denkt er richtig nach! Ich blieb nämlich an der Bildfolge hängen.
Die wollte mir erst gar nicht einleuchten. Musste nicht zwei vor eins kommen? Müssen die Dinge, was auch immer sie sein mögen, nicht Raum zwischen sich haben, um eins zu werden?
Andererseits. Ich gestehe, dass mich Bild und Text verwirrten. Dass aus eins zwei werden kann, ist mir klar.
Aber die Wirkung von Bild eins und Bild zwei ist die: aus eins wird zwei, aber ich habe bei Bild zwei den Eindruck, dass die zwei Teile aufeinander zugehen. Es könnte – zugestandenermaßen – auch anders sein, nämlich so, dass in Bild zwei die beiden Teile auch langsam aus dem Bild verschwinden und sich aus den Augen verlieren. Ja, weiß der Teufel, was da oben alles ummefliegt. Übrig bliebe dann nur noch der nackte, wolkenverhangene Himmel.
Dann schaute ich mehr und mehr dahinter und blieb an den Begriffen eins und zwei hängen und so flogen meine Gedanken dahin. Wenn Sie wollen, nehme ich Sie mit auf meine Gedankenflugreise…
Die zwei und die eins sind ja durchaus biblische Begriffe. Sie führen uns an den Ursprung zurück. Der eine Gott machte einen Menschen. Aus diesem einen Menschen wurde ein Gegenüber. Er nannte die beiden Adam und Eva. Alles war ok. Gott war ok, Adam und Eva waren ok, der Himmel war ok. Bis dann nichts mehr ok war, weil sich ein Fremdes, ein Drittes dazwischen gedrängt hat – der Zweifel, später auch Teufel genannt als der, der alles durcheinanderbringt. Dieser Dritte ist der, der mit seinem Nagen und Bohren die intakte Beziehung zwischen Gott und den Menschen zersetzt und zerstört. Sollte Gott, was er gesagt hat, auch wirklich so gemeint haben? Das ist der spirituelle Zweifel, das ist der Anfang vom Ende. Wenn der zersetzende Dritte siegt, dann ist nichts mehr ok.
Dann zerfällt, was geschaffen wurde in zwei Teile. Dann geht ein Riss mitten hindurch, den keiner kitten kann, der wohl aber behütet wird durch einen Engel mit flammendem Schwert. Die Welt Gottes muss wenigstens noch ok bleiben. In der Welt, die dann noch übrig geblieben ist – unsere Welt –, fallen dann die Dinge und Menschen auseinander, Sprache gegen Sprache, Volk erhebt sich gegen Volk, Bruder kämpft Bruder nieder. Die Eins ist längst verschwunden, die Welt verliert sich in Polarität, in Gegensätze. Schau mir lieber nicht in die Augen, Kleines! Ich ertrage nicht deinen Blick! In der Welt der Gegensätze geht so manches gar nicht mehr zusammen, was zusammengehen sollte. Familien driften auseinander, heranwachsende Kinder kennen keine gemeinsamen Mahlzeiten mehr, die Gier bleibt salonfähig, obwohl es nicht mehr „Geiz ist geil!“ heißt. Und was zu sehr aufeinander zustrebt, treibt Dritten Argwohn und Misstrauen in die Seele. Ach, ist es denn so schlimm, wenn sich zwei gut verstehen?
Wir leben in der Welt der Polaritäten. Rechts gesehen sind es die Deutschen und die Ausländer, die Deutschen und die Asylanten, die Deutschen und die Fremden. Links gesehen sind es die Kapitalisten, die mit kaltem Herzen die Welt ans Geld verraten haben. Religiös gesehen zeigt sich die Welt der Polaritäten in der Beurteilung von gläubig und ungläubig. Wobei – ich finde unorthodox prickelnder als orthodox. Aber das, liebe Gemeinde, war höchstens ein kleines Wortspiel zum Aufheitern zwischendurch.
Die Welt der Polarität könnte positiv gesehen die Welt des Gegenübers sein ganz im Sinne von Martin Buber, der Gott einfach nur als „DU“ anspricht. Gott als mein Gegenüber, ein DU. Gut wäre das, weil der Mensch ja von diesem großen DU in das Gegenüber hinein geschaffen wurde. Nur – nach dem Sündenfall – macht uns halt das Gegenüber zu schaffen, sodass Hape Kerkeling mal nachhaltig klagen konnte: Liebe ist Arbeit, Arbeit, Arbeit. Recht hat er!
Ich möchte beim Gegenüber bleiben. Was macht denn die Qualität eines Gegenübers aus? Ich denke, es macht es auch, dass ich von dem Gegenüber gesehen werde. Ich lasse jetzt einmal all die Möglichkeiten beiseite, die vom Übersehen, Übergehen, links liegenlassen etc. sprechen. Ich möchte jetzt einfach mal von einem guten Gegenüber sprechen. Von einem Gegenüber, das mich ansieht, das mich wahrnimmt, dem ich eine Frage wert bin, vielleicht der:“Was brauchst du?“ oder vielleicht auch einer weitergehenden Frage, die sogar Beziehung stiften könnte:“Willst du mir von dir erzählen?“ So kämen ich und mein Gegenüber uns immer näher. Wir würden – trotz des notwendigen Raums zwischen uns – uns immer näher kommen. In diesem heilsamen Näherkommen würden wir spüren, dass es so etwas wie ein Einssein gibt, ein Einssein in der Zweiheit. Das wäre dann der Geist, der uns verbindet, ein gutes Drittes wäre dann unser Band und das wäre der Gegenentwurf zum Durcheinanderbringer und Durcheinanderwirbler, den wir auch „Teufel“ nennen.
So könnten wir dem zustimmen, was im heutigen Predigttext aus dem Epheserbrief steht:“Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, nämlich den Herren der Welt…“
In dieser Welt des Gegenübers geschieht der Kampf mit dem, was diese Welt gänzlich dem Untergang weihen würde, wenn nämlich einer dastünde und es gäbe gar kein Gegenüber mehr. Wenn in einer völlig übervölkerten Welt sogar die Polarität verloren gegangen wäre und der einzelne Mensch sein eigenes Gegenüber nur noch im Spiegel sähe. Das wäre zu wenig. Das wäre auch nicht mehr menschlich. Dann hätte der Teufel gesiegt, weil er die Einsamkeit will und dass der Mensch nur sich selbst liebt bis zum Tode. Da gäbe es dann auch keine Trauer mehr, denn wie auch sollte ein Toter um sich selbst weinen?
Ich will dem heutigen Predigttext auch darin zustimmen, dass wir die Waffenrüstung Gottes anlegen sollen. In dem Kampf, den Christen offenbar zu kämpfen haben, wird es keine Verlierer und keine Toten geben. Da wird kein Blut fließen. Christen kämpfen mit geschärften Sinnen für das Bleiben des Ansehens der Unansehnlichen, sie kämpfen mit starker Geduld gegen das weltweite Abschmelzen von Glaubenssubstanz, sie kämpfen mit unerschütterlichem Mut für eine faire Verteilung dessen, was Menschen auf der Welt zum Leben und Überleben brauchen.
Sie kämpfen also gut gerüstet mit den Mächtigen der Welt. Die haben es an sich, dass sie das Volk für die Steuern brauchen und sie wundern sich, wenn das Volk, das Steuern bezahlt, mal aufbegehrt und seine Meinung sagt. Das ist dann das deutliche Zeichen dafür, dass auch Politik – und sei sie noch so weit weg und noch so weit abgehoben – nur im wirklichen Gegenüber gelingen kann, nicht im fiktiven.
Im Deutschen gibt es nur das eine Wort für Himmel. Im Englischen sind es zwei: sky und heaven. Sky ist der sichtbare Himmel, heaven der unsichtbare. Das, meine ich, auch in den Bildern zu erkennen. Ich sehe den sky mit seinem Blau und seinem Wolkenspiel und allem, was ihn beeinflusst einschließlich dem, was da unter ihm so alles herumfliegt und Kondensstreifen und Verunreinigung verursacht. Ich sehe aber auch heaven. Vor allem im Bild zwei sehe ich heaven.
Mit dem, was ich jetzt sagen werde, setze ich zur Landung an in diesem Raum des Glaubens und erlaube mir weiteres Bild hinzuzufügen, das Bild „Drei“.
Darauf sehe ich den Himmel – den heaven – als Raum zwischen den beiden Polen, den beiden Menschen, den beiden Gegenübers. Ich könnte mir auch gut ein Kreuz dazwischen vorstellen. In der Horizontalen wären die Gegenüber gehalten und in der Senkrechten hätten sie Boden unter den Füßen.
Und wenn ich dem Kreuz den Namen Jesus Christus gebe, dann macht sich ein hoher und tiefer Trost in mir breit. Er, der Christus, mein Gegenüber und zugleich Brücke zum anderen. Er hält das alles noch zusammen in der Welt. In IHM ist Eins, was sich entzweien will. Er hält das, er hält das aus, er trägt es aus. Er hat die Kraft dazu. Er ist nicht teilbar. Ihm blutet zwar das Herz wegen der vielen Entzweiung. Aber es zerreißt ihn nicht. ER bleibt. Diese himmlische Christuskraft sehe ich nicht nur im Bild. Ich sehe sie auch als eins wirkende Kraft in meinem Inneren, wo doch auch vieles auseinanderdriften und zerfallen will.
Gott weiß also, was wir hier unten brauchen. Wir brauchen IHN, den einen Christus, damit wir zusammenfinden und beieinander bleiben als seine Gemeinde, die aus dem Gegenüber mit ihm lebt, die von ihm angesehen wird und darum ihr Ansehen und ihre Schönheit von ihm bekommt. So betrachtet, können auch wir uns gegenseitig Ansehen geben.
Ich danke Ihnen, Frau Böttcher, von Herzen für Ihre Kunst und Ihre Bilder, die in diesem Raum hier und in den Herzen Wirkung erzielt und Bewegung ermöglicht haben und die weiterwirken. Kunst und Kirche, Kirche und Kunst, beides fängt mit K an, eine offene und öffnende Begegnung.
AMEN
Projektchor in Matthäus
Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 31. Januar 2010 um 20:51 Uhr
Aufgrund des Erfolges unseres Singprojektes zum 2. Advent soll es wieder einen Projektchor geben, der diesmal am Pfingstmontag, 23. Mai 2010, im Rahmen des Gottesdienstes auftreten wird.
Wir werden wieder einige einfache Chorsätze gemeinsam einstudieren. Die Proben in unserer Kirche beginnen am Sonntag, 2. Mai 2010, um 18 Uhr mit einer ersten Besprechung. Die anderen Proben werden dann je nach Absprache an den Wochenenden darauf stattfinden. Die Generalprobe ist am 22. Mai um 18 Uhr.
Wir freuen uns auch ganz besonders über viele neue Gesichter!
Anmeldungen bis zum 18.4. an Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
Es freut sich auf Sie Ihre Organistin Anna-Victoria Baltrusch

