Taufe - was ist das?
Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 29. Januar 2011 um 18:40 Uhr
Artikel von Pfarrer Ewald Förschler zum „Jahr der Taufe“ anhand der Ökumenischen Dogmatik von Edmund Schlink
(1903 – 1984 / 1946 - 1971 Professor für Systematische Theologie in Heidelberg)
Dieses Jahr also das Jahr der Taufe. Das hat mich dazu veranlasst, einmal Grundlegendes zur Taufe zu erfahren bzw. mal wieder in Erinnerung zu rufen. Seit 1983 steht in meiner Bibliothek die Ökumenische Dogmatik von Edmund Schlink. Ich habe sie herausgeholt und die Ausführungen zur Taufe durchgelesen – und ich war beeindruckt.
Der Titel „Ökumenische Dogmatik“ ist ungewöhnlich. Das Großwerk von Karl Barth heißt „Kirchliche Dogmatik“. Ökumenisch ist die Dogmatik von Edmund Schlink deshalb, weil er in ihr seinen Dank ausdrücken möchte für vieles, was er in langen Jahren intensiver ökumenischer Begegnungen mit Gliedern der orthodoxen und der römisch-katholischen Kirche sowie Glieder der Reformationskirchen einschließlich der anglikanischen Gemeinschaft und mit anderen Kirchen des ökumenischen Rates empfangen hat. Mit den theologischen Gesprächen war in der Regel die Teilnahme an Gottesdiensten dieser Kirchen verbunden, auch wenn einstweilen nur von einem Teil derselben über die Grenzen der eigenen Kirche hinaus die Gemeinschaft am Herrenmahl gewährt wird. Dabei ist dem Autor der Zusammenhang zwischen dem ökumenischen Dialog und dem gottesdienstlichen Geschehen immer deutlicher geworden.
Diese Ökumenische Dogmatik hat die Teile „Lehre von der Schöpfung“, „Lehre von der Erlösung“, „Lehre von der Neuschöpfung“ und die „Lehre von Gott“. Die Heilige Taufe hat Edmund Schlink in der Lehre von der Erlösung verortet.
Begründung der Taufe
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Die Kirche tauft unter Berufung auf die Anordnung des Herrn:“Geht hin, macht zu Jüngern alle Völker, indem ihr sie tauft auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ (Mt 28,20). Dieses Wort ist als Wort des Auferstandenen überliefert, dem alle Macht gegeben ist im Himmel und auf der Erde (28,18), was sich auf Daniel 7,14 bezieht, wo es um den künftigen Menschensohn geht:“Ihm ward gegeben Vollmacht und Ehre und Reich, und alle Völker, alle Geschlechter und alle Zungen dienen ihm; seine Macht, die nicht vergeht, und sein Königreich wird nicht vernichtet werden.“
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Die Taufe hat geschichtliche Voraussetzungen
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Im Alten Testament gibt es zahlreiche Gebote der Reinigung durch Wasser und Besprengung (Leviticus 11-15 und Numeri 19). Das Ziel dieser kultischen Waschung ist die Beseitigung kultischer Unreinheit. Jesaja ruft zu solcher Reinigung auf:“Waschet, reinigt euch! Tut eure bösen Taten mir hinweg aus den Augen! Höret auf, Böses zu tun!“ (1,16). Zu diesem Ruf zur Umkehr haben die Propheten auch eine künftige Abwaschung angekündigt, und zwar sowohl als Gericht als auch aus neuschaffende Heilstat:“Ich werde reines Wasser über euch sprengen, dass ihr rein werdet; und von allen euren Unreinigkeiten und von allen euren Götzen will ich euch reinigen. Ich werde euch ein neues Herz verleihen und einen neuen Geist in euer Herz geben…“(Hesekiel 47; Sacharja 13)
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Johannes der Täufer trat dem jüdischen Volk als einzelner und nicht als Glied einer der jüdischen Heiligungsbewegungen gegenüber. Sein Bußruf war so radikal wie keiner zuvor, weil er das Kommen des Menschensohns zum Gericht als unmittelbar bevorstehend ankündigte. Er hat sich als einen Wegbereiter verstanden. Johannes verkündigte die „Taufe der Buße“. Dabei ging es nicht nur um äußere Reinigung, sondern um eine Zubereitung des ganzen Menschen für die Begegnung mit dem kommenden Richter. Der Sünder wird durch die Taufe in die Buße hineingenommen und bestätigt diese im Bezug auf das kommende Gericht. Die Taufe des Johannes konnte somit als Versiegelung der Buße auf die künftige Vergebung und Rettung im Gericht hin bezeichnet werden. Sie ist nicht aus den jüdischen Taufbädern und Waschungen abzuleiten. Sie war nicht wiederholbar und sie war keine Selbsttaufe. Im Unterschied zu den kultischen Waschungen war sie bezogen auf das künftige Gericht und geschah zur „Buße“.
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Jesus ließ sich von Johannes im Jordan taufen. Dies berichten alle Evangelien. Doch die Taufe Jesu unterschied sich von anderen dadurch, dass der Heilige Geist auf Jesus herabkam. Was Johannes angekündigt hatte, nämlich die Taufe durch den Heiligen Geist, ist somit an Jesus selbst geschehen. Indem über Christus der Heilige Geist ausgegossen wurde, wurde die Johannestaufe zur christlichen Taufe im eigentlichen Sinn. Im Verlauf der Kirchengeschichte wurde immer wieder gelehrt, dass durch Jesu Taufe die christliche Taufe eingesetzt worden sei. Indem Jesus sich von Johannes taufen ließ, trat Jesus in die Gemeinschaft der Sünder, die der Buße bedurften.
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Was in der Taufe Jesu begonnen hat, ist durch Jesu Tod und Auferstehung zur Vollendung gekommen. Ist Jesus in der Taufe in die Solidarität mit den Sündern getreten, so hat er diese Solidarität bewährt, indem er am Kreuz den Tod des Sünders erlitt. Das drückt sich aus in dem Wort aus Lukas 12,49:“Ich bin gekommen, ein Feuer auf die Erde zu werfen, und wie wünschte ich, es wäre schon entzündet. Aber ich muss mit einer Taufe getauft werden, und wie ist mir angst, bis sie vollendet wird!“ Hier ist der Zusammenhang von Taufe und Tod, ja der Sinn der Taufe als Sterben bezeugt. Im Johannesevangelium kommt dieser Zusammenhang von Taufe und Tod dadurch zum Ausdruck, indem nach der Öffnung der Seite des Verstorbenen Wasser und Blut herausfließen, was als Ursprung von Taufe und Abendmahl durch Jesu Tod gesehen wird.
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Die christliche Taufe unterscheidet sich von anderen Taufen durch ihre Einmaligkeit. Sie ist keine Selbsttaufe und sie ist eine Taufe auf den (in den) Namen Christi bzw. „in Jesus Christus“ (Römer 6,3/Galater 3,27) und durch sie wird der Heilige Geist empfangen.
Nach den neutestamentlichen Zeugnissen hat die nachösterliche Gemeinde von Anfang an auf den Namen Christi und mit der Erfahrung des Geistempfangs getauft. Jesus selbst hat nie getauft. Die Formel „auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ versteht Schlink als eine angemessene Interpretation des Namens Jesu Christi.
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Bei der Taufe vollzieht ein Mensch eine Handlung am Täufling. Aber das Interesse des Neuen Testaments (NT) gilt dem, was Gott durch den Menschen tut. Das Gewicht liegt auf dem, was Gott am Täufling tut. Es gibt im NT keinen Taufritus, es geht einzig darum, was Gott durch die Taufe an den Gliedern der Kirche getan hat und an dem neu Herzutretenden tut. Dies wird so benannt: Sündenvergebung (Acta 2,38), Abwaschung, Heiligung und Rechtfertigung (1. Korinther 6,11), Reinigung (Epheser 5,26), Reinigung der Herzen vom bösen Gewissen (Hebräer 10,22), Rettung vor dem göttlichen Gericht (Acta 2,40), Vernichtung des Leibes der Sünde (Römer 6,6), Sterben und Begraben werden mit Christus (Galater 3,27), ja Auferstehung mit Christus (Kolosser 2,12ff), Christus anziehen (Galater 3,27), Geburt von ob en (Johannes 3,5) und Wiedergeburt und Erneuerung (Titus 3,5). Bei den neutestamentlichen Aussagen spielen Voraussetzungen für die Taufe keine Rolle, z.B. ob sie im Glauben oder Unglauben empfangen wird. Es geht allein im Gottes Handeln am Täufling.
Taufe in Christus
Die neutestamentlichen Schriften sprechen von der Taufe auf den (im) „Namen Jesu Christi“ (Acta 2,38; 10,48), „des Herrn Jesus“ (Acta 8,16; 19,5) oder „des Herrn Jesus Christus“ (1. Korinther 6,11), auch von der Taufe „auf Christus“ (Galater 3,27). Gleich welche Präposition genommen wird, es handelt sich dabei grundsätzlich um eine Übereignung. Durch die Taufe „in den Namen des Herrn Jesus“ geschieht die Übereignung an den Herrn Jesus. Die Übereignung an ihn, die Unterstellung unter sein gegenwärtiges Herrschen wird dem Täufling als Widerfahrnis zuteil. So wie die christliche Taufe keine Selbsttaufe sondern ein Getauft werden ist, so wird der Täufling Christi Eigentum noch nicht dadurch, dass er selbst sich Christus unterstellt, vielmehr wird er durch die Taufe zum Eigentum Christi gemacht. Die Vergebung, die in Jesu Tod begründet ist und durch die Heilige Taufe vollzogen wird, ist somit ein Herrschaftswechsel. Der Mensch wird durch die Taufe der Herrschaft der Sünde entnommen und der Herrschaft Christi unterstellt. Damit geschieht durch die Taufe auch die Befreiung der Person vom Zwang, immer weiter sündigen zu müssen – die Befreiung zu einem Leben in Reinheit, Gerechtigkeit und Heiligkeit. Durch die Taufe ist die Fülle der in Jesus Christus vorhandenen Gaben nicht nur verheißen, auch nicht nur verbürgt, sondern auch vollzogen.
Über den Herrschaftswechsel hinaus hat Paulus die Taufe verstanden als Übereignung an die Geschichte Jesu. Die Taufe ist nach Paulus eine Taufe in den Tod Jesu.“Wisst ihr nicht, dass wir alle, die wir in Christus Jesus getauft sind, in seinen Tod getauft sind?“ (Römer 6,3). Weitere Aussagen dazu:“Wir sind mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod.“ (Römer 6,4). „Unser alter Mensch ist mit gekreuzigt.“ (6,6). „Wir sind mit Christus gestorben.“ (6,8). Das Heil, das durch Jesus geschehen ist und von dem Paulus im Auferstehungskapitel 1. Korinther 15 spricht (gestorben für unsere Sünden, begraben…), bezieht Paulus mit denselben Verben auf das, was dem Getauften widerfahren ist. Er ist mit Christus gekreuzigt, gestorben und begraben. Somit ist er dem Todesgericht enthoben. Paulus geht es darum, das Faktum zu betonen: wir sind durch die Taufe mit Christus gekreuzigt, gestorben und begraben und damit dem Bereich der Sünde ein für allemal entnommen, ja in der Taufe ist die Herrschaft gebrochen. Die Taufe ist keine andere Heilstat als die am Kreuz vollbrachte. So verliert im Taufakt der zeitliche Abstand zu Jesu Tod seine Bedeutung.
Paulus zeigt nunmehr auch die Folgen auf, die sich aus dem Gestorben sein mit Christus ergeben. Durch die Taufe ist unsere Geschichte so sehr mit der Geschichte Jesu verbunden, dass sie nicht mehr unsere eigene Geschichte, sondern die Geschichte mit ihm und in ihm ist. Durch das Hineingenommen in seinen Tod sind wir hineingenommen in seinen Weg durch den Tod zum Leben.“Wir sind mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, damit wir wie Christus auferweckt worden ist von den Toten…, so auch wir in einem neuen Leben wandeln.“ (Römer 6,4). Die Hineingabe in Christi Tod verbürgt die Auferstehung. Der Getaufte hat schon jetzt Anteil an dem zukünftigen Leben.
Taufe durch den Heiligen Geist
Die Taufe auf den Namen des Herrn Jesus Christus ist zugleich die Taufe durch den Heiligen Geist. Denn der erhöhte Christus wirkt durch den Heiligen Geist. Durch die Taufe sind wir damit auch dem Wirkungsbereich des Heiligen Geistes übergeben. „In Christus sein“ ist auch Synonym für „im Geist sein“. Es ist demnach unmöglich, Christus anzugehören und nicht vom Geist getrieben zu sein. (Römer 8,9). Dass der Heilige Geist mit der Taufe zuteil wird, ist die gemeinsame Überzeugung der urchristlichen Gemeinden:“Ihr seid abgewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerechtfertigt worden durch den Namen des Herrn Jesus Christus und durch den Geist unseres Gottes.“ (1. Korinther 6,11)
Auf den Akt der Taufe beziehen sich dann auch die Aussagen über die Versiegelung und Salbung durch den Geist. „Gott, der uns mit euch festmacht in Christus hinein und uns gesalbt hat, hat uns auch versiegelt und das Angeld des Geistes in unsere Herzen gegeben.“ (2. Korinther 1,21; Epheser 1,12; 4,30; 1. Johannes 2,20). Der Heilige Geist übereignet den Glaubenden durch die Taufe Christus dem Herrn. Er gibt ihm Anteil an Christi Gerechtigkeit, Heiligkeit, Leben und Herrlichkeit. So wird der Mensch zum Kind Gottes. Der Heilige Geist nimmt im Menschen Wohnung, ist in ihm lebendig, gibt sich ihm als Gabe und nimmt den Menschen in Dienst.
Aufnahme in die Kirche
Der Getaufte wird Glied der Kirche. Das wurde, meine ich zu beobachten, in der Nachkriegszeit zu stark betont, sodass der grundlegende Aspekt der Übereignung an Christus selbst (ohne zunächst einmal an eine Kirche oder Konfession zu denken) vernachlässigt wurde. Kirche ist hier, was im NT als ecclesia bezeichnet wird. Im NT bezeichnet ecclesia sowohl die Ortskirche als auch die Gesamtkirche auf der Erde. Die Ortskirche ist nicht nur ein Teil der Gesamtkirche und die Gesamtkirche ist nicht nur die Summe der Ortskirchen, sondern in jeder Ortskirche manifestiert sich aufgrund der Gegenwart des einen Herrn die ganze Kirche. Der Getaufte wird in diese Gemeinschaft hineingenommen und hört auf, ein Einzelner oder eine Einzelne zu sein. Taufe begründet Gemeinschaft.
Fazit
Auf der Grundlage dieser Überlegungen zur Taufe sollte uns im „Jahr der Taufe“ klar werden, dass Taufe Verschiedenes und doch Gleiches bedeutet:
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Sie ist ein endgültiger Herrschaftswechsel (der Getaufte gehört Christus, er gehört nicht nur zu ihm).
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Mit der Taufe wird eine unauflösliche Verbindung des Getauften mit der Geschichte Jesu (Leben, Tod, Auferstehung) hergestellt.
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In der Taufe kommt der Heilige Geist auf den Täufling wie bei der Taufe im Jordan auf Jesus.
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Mit der Taufe ist ein neues Leben verbunden und Geistesgaben sind verheißen.
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In erster Linie ist Taufe Übereignung an den erhöhten Herrn Jesus Christus und in seinen Machtbereich (Vertikale) und erst daraus folgend ist sie Aufnahme in die Gemeinde (Horizontale).
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Durch die Taufe wird die/der Getaufte Kind Gottes, nicht durch die Geburt.
Diese Erkenntnisse mögen in diesem Jahr und darüber hinaus dazu helfen, die Texte der Agende zu prüfen und die Lieder zu Taufen sorgsam auszuwählen.
Taufpraxis in der Badischen Landeskirche
Die Badische Landeskirche hat eine „Lebensordnung Taufe“ herausgegeben. Hier kann man sich umfassend über alles, was die Taufe betrifft, informieren.
Für die Planung einer Taufe ist es wichtig zu wissen, dass gemäß der Lebensordnung die Taufe im Sonntagsgottesdienst vollzogen wird. Taufen außerhalb des Gemeindegottesdienstes, Haustaufen oder Taufen in Krankenhäusern finden nur in begründeten Ausnahmefällen statt. Taufen in Notfällen können alle Getauften vollziehen. Sie sind unverzüglich der zuständigen Pfarrgemeinde zur Bestätigung mitzuteilen. Die außerhalb des Gemeindegottesdienstes vollzogene Taufe wird im Sonntagsgottesdienst bekannt gegeben. Die Gemeinde hält für den Täufling, seine Eltern, Patinnen und Paten Fürbitte.
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